Beck hat weiterhin Fieber.

13. März 2008

Schon komisch.

Die Mitgliederzahl der SPD betrug 1976 über eine Million.
Kurz vorher begann die Arbeitslosenquote zu steigen.
Und für nun über 30 Jahre folgten beide ihrem einmal eingeschlagenen Wege.
Vor 5 Jahren verkündete Gerhard Schröder dann die Agenda 2010, woraufhin (nur) Einhunderttausend Mitglieder die SPD verließen.
Diese verloren sich, wie für linke üblich und nicht verwunderlich, für einige Zeit in Diskussionen und beschlossen dann, sich mit einer auch ehemals sozialistischen Partei zusammenzuschließen und ein sozialdemokratisches Programm zu formulieren – wohl, um die Sozialdemokratie mal wieder ins Gespräch zu bringen.
Während die SPD Entscheidungen formuliert, die FDP und CDU den Rang ablaufen sollen, selbigen jedoch nur mehr Spielraum nach rechts bzw. marktliberal bietet, muss sich eine neue (alte) Sozialdemokratie nicht nur “die Linke” nennen, sondern sich zu allem Überfluss als utopisch bezeichnen lassen.
Und während die “Separatisten” von der Linken, die bei ihrer Überzeugung geblieben sind und in logischer Konsequenz eine neue Partei gründen mussten, in Wahlen immer mehr zulegen, zerfetzt sich die SPD in der Diskussion darüber, ob man “mit denen” (die genau das sagen, was man selbst vor 6 Jahren noch gemeinsam mit ihnen gesagt hat!) koalieren will / darf – weil dies ja schließlich das Eingeständnis beinhalten würde, dass man entweder 5 Jahre lang größte Scheiße gebaut hat, oder aber vom Machthunger zerfressen ist.
Und so kommt es, dass die SPD heute einen Vorsitzenden hat, der es innerhalb von einer Woche ohne überhaupt mit der Wimper zu zucken, vollbringt,
1. (Montag) seine Partei in der Frage nach der “Koalierbarkeit” der Linken (die genau gegen die SPD-Sozialpolitik der letzten 5 Jahre steht) fast zu zerfetzen, dann aber mit einem klaren “Ja.” hinter sich zu vereinen – und somit das Eingeständnis zu signalisieren, dass die SPD der Sozialdemokratie verpflichtet sein könnte.
2. (Mittwoch) den Bockmist der letzten 5 Jahre zu verdammen
3. (Donnerstag) den Bockmist der letzten 5 Jahre zu loben.
Das, meine Damen und Herren, nennt man Politik.
Und es ist völlig normal – und man wundert sich doch immer wieder.

1 Kommentar zu „Beck hat weiterhin Fieber.“

  1. Wdh. | Linus-Neumann.de sagt:

    [...] Aus aktuellem Anlass erinnere ich hieran. [...]

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