Wettkämpfe der Nationen.

23. August 2009

Leichtathletik finde ich uninteressant.
Außer 100m-Lauf, denn da kann man Durchschnittsgeschwindigkeiten errechnen und sagen “alle Achtung!”

Internationale Wettbewerbe, bei denen naturgemäß die “Nation” eine Wettkampfeinheit bildet, lehne ich bekanntlich schon allein aus konzeptionellen Gründen ab. Das Trennen der Erdbevölkerung in Nationen, und das Aufhetzen dieser Gegeneinander empfinde ich als mindestens genau so dämlich, wie den Anblick der Fans, die diese Nationalstolz-Manifeste bereitwillig mitmachen, irgendwelche Fahnen schwenken, und ernsthafte Emotionen bei “ihrem” Sieg oder “ihrer” Niederlage empfinden.

Und dann gibt es noch: NEID. Das war 1936 schon bei Jesse Owens so, dem man zwar den Sieg zubilligte, jedoch nicht ohne festzustellen, dass er diesen allein mit der brachialen Kraft eines Urmenschen errungen habe, es ihm aber an jeglicher Eleganz und Technik mangele, er somit den ästhetischen Ansprüchen des Sports nicht gerecht werde.

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Und heute? Heute muss sich Caster Semenya, aufgrund ihrer herausragenden Leistungen einem Geschlechtstest unterziehen, was mit Abstand die größte Demütigung ist, die einer Sportlerin zuteil werden kann. Noch dazu einer 18-jährigen. In der SZ hat man derweil nichts anderes zu tun, als möglichst viele Bilder Semenyas zu zeigen und mit allerlei Spekulationen zu garnieren, um schließlich zu festzustellen: “Die hätte man schon Testen müssen, bevor man sie überhaupt zulässt.” Diese WM wurde Semenya mit aller Sicherheit bis ans Lebensende verdorben.

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Usain Bolt hingegen hat noch gute Laune, und läuft, dass es eine wahre Pracht ist, neue Weltrekorde über 100 und 200 Meter. Aber auch hier kann sich Jens Weinreich vom Spiegel nicht zurückhalten. Dem “schnellsten Clown der Welt” nämlich, gönnt er den Spaß nicht: Er stellt fest:

“Usain Bolt, welch Überraschung, wusste sich einigermaßen zu benehmen.”
…und zitiert Eike Emrich (Vizepräsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes mit “Weil immer klar ist, dass er gewinnt, muss Bolt seine Wettbewerbe mit Showelementen und Clownerien aufwerten.”

Mit “Vielleicht sollte man einmal erwähnen…” leitet Weinreich dann eine breitgetretene Chronologie früherer Niederlagen Bolts ein. “Zur historischen Wahrheit zählt auch, dass er im WM-Finale 2007 vom Amerikaner Tyson Gay geschlagen wurde.”
Meine Güte, der Mann ist sich zu nichts zu schade.

Insbesondere auch nicht dafür, in Manier der Berichterstattung über Owens, Bolt das Verderben des Sports zu unterstellen:
“Er hat seine ohnehin schon fabulösen Rekorde zertrümmert und die sonst noch Mitwirkenden, von Konkurrenten kann man ja nicht sprechen, gleichsam der Lächerlichkeit preisgegeben.”
“Schließlich störte Bolts Siegerrunde noch die Medaillenübergabe im Weitsprung-Wettbewerb.”

Der gute deutsche Wettkampf verläuft streng nach Zeitplan. Für die Siegerrunde eines Negers, der gerade zwei neue Weltrekorde aufgestellt hat, ist da keine Zeit vorgesehen. Und welche Genugtuung erlangt Weinreich durch das unsportliche Vorgehen der Veranstalter, Bolts Siegerrunde rüde zu unterbrechen, und gleichsam die Weitspringer zu verärgern…:

“Der Clown musste sich die Aufmerksamkeit der Menschen mit anderen Athleten teilen. So ist die Leichtathletik. So packend kann sie sein, fast ein bisschen gerecht – wenngleich nur in seltenen Momenten.”

Diese Momente sind es also, die Jens Weinreich bei dieser Leichtalthletik-WM Freude verschaffen.

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