Sebastian Horsley

1. September 2009

“I’m afraid sex after marriage is as improbable as life after death.”

Dandy in der Unterwelt: Eine unautorisierte Autobiographie ist vor Kurzem auf deutsch erschienen, und wurde in konkret August ’09 mit Artikel und Interview angemessen und nicht zu viel versprechend gepriesen.

Ich habe mir die englischsprachige Ausgabe Dandy in the Underworld: An Unauthorized Autobiography (P.S.), die im Übrigen auch billiger ist, sofort bestellt, und bin von Horsley begeistert, wie selten von jemandem zuvor.

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Nicht nur teilt er meine Leidenschaft, alles und jeden und jede Regel in Frage zu stellen, sondern auch meine ausgeprägte Misanthropie, so dass es allein schon durch das warme Gefühl von Verständnis ein Genuss ist, seinen Ausführungen zu folgen – nein, er hat auch noch einen beneidenswerten Hang zur stakkato-artigen Produktion prägnanter, direkt zitierfähiger Weisheiten. Die Menge dieser entlarvenden, sarkastischen Feststellungen ließ mich schon auf der fünften Seite den Entschluss fassen, das Buch noch einmal zu lesen, um sie alle zu markieren und dann auswendig zu lernen.

So sprudelt neben allem Unflat und allem Abschaum, für den es von vielen Kritikern gelobt wird, aus diesem Buch vor allem poststrukturalistische Dialektik: Horsley schreibt über seine Liebe zum Geld, direkt gefolgt von Pamphleten gegen Reiche und verrät im gleichen Satz seinen tiefgreifenden Atheismus. Er schreibt seitenlange Liebeserklärungen an diverse Frauen, und ebenso lange Erläuterungen darüber, dass das schlauste, was je aus dem Mund einer Frau gekommen ist, der Horsley’sche Phallus gewesen sei – und immer hat er dabei vor allem eines: Recht.

“Dandyism is a lie which reveals the truth,
and the truth is that we are what we pretend to be.”

Vielleicht beschreibt man Horsley am besten als jemanden, der seinen Kopf nutzt, um alles in Frage zu stellen, seine eigenen Regeln zu machen – und diese dann mit allem Eifer zu brechen. Ein Mensch, der in der Inkonsequenz seine Konsequenz hat, in der Ambivalenz seine Eindeutigkeit. Und das macht ihn zu einem anregenden und faszinierenden Charakter.

Für einen kurzen Einstieg in Horsley ist sein “Guide to whoring”, den er übrigens todernst meint, ein absolutes Muss:

…und wer sich mehr für Horsley interessiert, sollte nicht nur das Buch über die Links hier auf dieser Seite bestellen (Affiliate-Links, you know?), sondern auch dieses Qtv-Interview (36min) anschauen:

So, und jetzt gönnt euch mal was, Kinder:

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1 Kommentar zu „Sebastian Horsley“

  1. Linus-Neumann.de» Blogarchiv » Sebastian Horsley RIP sagt:

    [...] Sebastian Horsley ist am 17.06.10 gestorben. An einer Überdosis Heroin. [...]

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