Brunnenstraße 183

24. November 2009

UPDATE: 26.11.09:

Andej Holm äußert sich in seinem Gentrification Blog. Insbesondere in den Kommentaren kann dort der geneigte Leser Interessantes erfahren.

/UPDATE

UPDATE: 25.11.09:

Nachdem ich diesen Post geschrieben hatte, habe ich mich gleich aufgemacht zur Brunnenstraße, um dort mit anzusehen, wie die Firma SitexOrbis aus Berlin die Fenster des Gebäudes entfernt, um die Elektrik kümmerte sich wohl Elektro Bechert (habe ich selbst nicht gesehen). Die gesamte Straße war von Rosenthaler Platz bis Weinbergspark komplett gesperrt, und nur Anwohner wurden durchgelassen, auch die Presse nicht. Am Zugang Weinbergspark kam man aber wohl mit einem Bibliotheksausweis bis zur Bibliothek vor, auf deren Höhe eine weitere Sperre war, durch die dann “niemand” mehr gelassen wurde. Der Anblick des innerhalb kürzester Zeit unbewohnbar gemachten Hauses ist mir schon ziemlich nahe gegangen.

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Großartige Proteste oder gar Gegenmaßnahmen gab es nicht, sie schienen nach meinem Eindruck aufgrund mangelnder Koordination nicht zustande gekommen zu sein. Hier sollte sich sich von trägen Telefonketten und Emaillisten verabschiedet werden, und endlich auf Errungenschaften wie Twitter oder Blogs gesetzt werden. Das Argument, dass die Polizei mitliest, erschließt sich mir bei legalen Demonstrationen nicht wirklich, und außerdem können auch Blogs und Twitter-Accounts passwordgeschützt werden.

Eine solche Nutzung sollte aber koordiniert und mit klarer Hackordnung (also ‘offiziellen’, Bullshit-freien Accounts) stattfinden, denn das Rennen von einer zur nächsten auf Twitter heiß gekochten und überhaupt nicht stattfindenden Spontandemo war wirklich frustrierend. Hoffentlich wird das heute Abend anders. Auch auf Twitter war die ewige Rede von “Besetzern” – die ja auch Linke massiv übernommen haben, entweder aus Unkenntnis, oder aber weil man sich so sehr die tollen Besetzerzeiten zurückwünscht. Fakt ist aber, dass dadurch der tatsächliche Skandal verwischt wird, weil der Eindruck entsteht, die Bewohner hätten keine Mieten bezahlt, was nicht der Fall ist! Das Schicksal der Brunnenstraße ereilt in Berlin viele Häuser und viele Menschen, zum Beispiel meine Nachbarn, nur diese Menschen sind nicht so organisiert, sich dagegen zu wehren und lassen sich eine Kündigung des Mietvertrages gefallen, mit anderen Worten: sich vertreiben.

Ich bleibe dabei: Die Linke braucht eine vernünftige PR. Wir dürfen uns dem massiven Angriff des Medienkonses nicht geschlagen geben, und erst recht nicht diesen anfeuern, indem wir Autos anzünden (sofern das überhaupt irgendeiner von “uns” ist), uns selber als Besetzer bezeichnen, und sinnlose Krawallparties veranstalten. Zumindest, wenn wir es ernst meinen, und die Welt verändern wollen, statt nur ein paar Jahre Desperado zu spielen, um Frauen zu beeindrucken.

Wer sich meine Gedanken bis hierher durchgelesen und verstanden hat, worum es geht, der komme bitte heute um 20h Kollwitzplatz zur Demo, zu der die Liebig14 aufruft, und die es inzwischen bis zum Tip geschafft hat. Mal schauen, ob es so klappt.

Wer sich meine Gedanken bis hierher durchgelesen und nicht verstanden hat, worum es überhaupt geht, der bekommt vernünftige Infos bei Spreeblick, und kann sich dann über die Lügen, verbreitet zum Beispiel vom Spiegel ein Bild machen: Aus ihrem zu Hause vertrieben, als Brandstifter, Chaoten und Besetzer verleumdet dürfen diese Menschen, die so viel soziales Engagement zeigten und eine Idee einer besseren Welt hatten, nun den Dank selbiger empfangen. So geht es, wenn man sich dem Kapital eines Passauer Arztes und der Neurose eines Thilo Sarrazin nicht beugt.

Wer meint, das ginge nicht uns alle an, setzt sich mal hiermit auseinander.

/UPDATE zu Ende, hier meine Eilmeldung von gestern

Aus bitterem Anlass erinnere ich hieran,
verweise für Aktuelles auf den Stressfaktor, @aktuellez, @felSBerlin@indymediagerman, und natürlich http://brunnen183.blogsport.de
(weitere Quellen, Aktuelles etc. gerne in die Kommentare!)

Ich find solche Meldungen immer zum Kotzen.

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