Antwort an Herrn Germandi von der Firma Profi Partner
28. Januar 2010 - Veröffentlicht in Allgemeines | 13 Kommentare »Auf einen Artikel hier im Blog kommentiert Herr Germandi von der Firma Profi-Partner.
Dirk Germandi ist in der Berliner Gentrifizierung-Branche kein unbekannter. Informationen zu seiner Person und seinen Geschäftspraktiken gibt es in großer Menge zum Beispiel bei der Berliner MieterGemeinschaft, ImmobilienScout24, oder im “Wir bleiben alle”-Blog.
Den Artikel, den Herr Germandi kommentiert hat, kann man hier lesen.
Ich bin derjenige, der diese Objekte saniert! Herr Neumann begreift in seiner holzschnittartig vorgetragenen Argumentation nicht, dass diese Häuser komplett kaputt sind und gerade in der Warschauer Straße 61 ist die Sanierung nach umfangreichen Konsensgesprächen mit der Betroffenenvertretung, der ASUM, dem Bezirk Friedrichshain/Kreuzberg und den im Haus lebenden Mietern, erfolgt! Niemand der alten Mieter wurde “vertrieben” – es sind 15 (!!!) Altmieter wieder in das Haus zurückgezogen und deren Mieten liegen deutlich unter dem Niveau des Marktes – insofern werden genau die Rechte der Mieter gewahrt. Die Warschauer Straße 61 ist im Übrigen energetisch saniert worden (bezweifle das Sie wissen, was das ist…) und das hilft den Mietern bei den Energiekosten – die sind nämlich deutlich niedriger.
Nur nörgeln, andere “schwarz anmalen” und sich nicht informieren, dass ist genau das Niveau, dass Herr Neumann pflegt! Schätze, wenn er in seinem Stammbaum mal forscht, bestimmt auch einen schwäbischen Vorfahren finden wird…
-:)))
Lieber Herr Germandi,
vielen Dank für Ihren Kommentar, der jedoch nicht nur grammatikalisch, sondern auch sachlich einige Auffälligkeiten hat. Bevor ich darauf eingehe, lassen Sie mich aber bitte auch meinem Dank für den Haufen Bauschutt-Schnee, der laut Aussage Ihres Bauleiters und dessen Mitarbeitern auf Ihre Anweisung hin in unseren Garten entsorgt wurde, Ausdruck verleihen – wenngleich derartige Einstandsrituale neuer Nachbarn zunächst noch meiner Gewöhnung bedürfen.
Sie sprechen es ja bereits an: Die Mieten der Altmieter liegen deutlich unter dem Niveau des Marktes, der für Wohnungen dieser Komfort-Klasse, und ich denke wir gehen d’accord, wenn ich diese als zumindest “gehobene” Klasse bezeichne, angestrebt wird.
Warum ist das der Fall? Zunächst einmal (u.a. – s.u.) wegen des Mietspiegels. Dieser setzt einen verbindlichen Rahmen. Ferner jedoch wissen Sie genau so gut wie ich, dass die Zielgruppe, die Sie mit Ihren aufwändig produzierten Image-Videos ansprechen, beim besten Willen nicht die Altmieter sind. Jene nämlich wussten ohnehin von Haus & Sanierungsvorhaben, sowie von Ihrem Erstbezugsrecht und der Begrenzung einer Mieterhöhung in diesem Rahmen.
Diese Mieterhöhung werden Sie, lieber Herr Germandi, oder Ihre Abnehmer, erst dann vollziehen können, wenn die Altmieter ausziehen, und der Mietspiegel die Entwicklung vollzogen hat, auf die Sie hinarbeiten. Unbewusst verplappern Sie sich übrigens: “insofern werden genau die Rechte der Mieter gewahrt” – es handelt sich um Rechte und nicht etwa um Ihre persönliche Großzügig- oder Sozialverträglichkeit.
Darüber hinaus hätten sich die Altmieter sicherlich auch mit einer “normalen” – also einer der Komfortklasse des Hauses im Rahmen einer Modernisierung entsprechenden Sanierung zufrieden gegeben – Ohne den Aufbau eines 6. Geschosses, einer Tiefgarage, Glas-Aufzügen, Springbrünnen, etc., die meines Wissen nicht Teil einer “energetischen” Sanierung sind, was, wie Sie wissen, ohnehin jede Altbausanierung heutzutage ist, da man ja einen vernünftigen Gebäudeenergiepass vorweisen können möchte. (Ich komme aus einer meines Wissens zwar nicht schwäbischen, obwohl ich auch damit kein Problem hätte, aber sich dennoch sowohl im Besitz von Neu- als auch, ja, energetisch sanierten Altbauten befindenden Familie)
Weiterhin, und darauf spreche ich in meinem Kommentar ja auch an, gab es derartige Wohnungen in Friedrichshain bis vor wenigen Jahren nicht, und hier wohnten Menschen, die entweder keinen Bedarf daran, oder kein Kapital, oder beides nicht hatten. Aus diesem Grund besteht für derartige Wohnungen in dieser Gegend (u. a. auch aufgrund der von mir exemplarisch genannten Widrigkeiten) eben (noch) kein (ernstzunehmender) Markt wie zum Beispiel in München Schwabing oder Prenzlauer Berg, wo ein solcher, wie ich nicht nur Ihrem Video entnehme, auch unter tatkräftiger Unterstützung Ihrer Firma errichtet(!) wurde. Lassen Sie mich an dieser Stelle noch kurz mit einer Geburtslüge des neuen Prenzlauer Bergs aufräumen, welche Sie auch für Friedrichshain bzw. Ihr Projekt strapazieren. Diese behauptet, im neuen Prenzlauer Berg wäre die ehemals junge Bevölkerung nun erwachsen und gediegen geworden. Das ist nachweislich nicht der Fall. Diese Menschen leben jetzt woanders, denn auch diese Menschen waren nie Ihre Zielgruppe.
Herr Germandi, machen wir uns nichts vor: Was hier passiert, und auch das beschreiben Sie in dem Video, ist, dass etwas “Neues” entsteht. Aber, diesem neuen muss etwas “Altes” weichen. Und dieses Alte würde vielleicht auch gerne bleiben.
Am Ende gewinnt der Stärkere. Kapital ist Gestaltungsmacht und strebt seine Akkumulation (für das Individuum: Vermehrung) an. Was liegt näher, als sich dieses Friedrichshain, in dem viel zu wenig sinnvoll verwertbare Menschen viel zu billig viel zu schön leben, zu nehmen, und da “mal was draus zu machen?” Ich kann es Ihnen kaum verdenken. Die Entwicklung für Friedrichshain ist mit Ihren Planungen beschlossene, unaufhaltbare Sache, die im Übrigen ja auch von ASUM und dem Bezirk angestrebt und massiv gefördert wird (10-15% Altmieterbezug nach Sanierungen – das sind 85-90% “vertriebene”). Nennenswerte Gegner, die Ihnen außer dem Schwenken von ein paar Fahnen oder einem bisschen durch die Kasko gedeckten Sachschaden, etwas entgegenzusetzen hätten, haben Sie nicht. (Ist so ähnlich wie in “Avatar”. Kennen Sie den? Ich gebe zu, der Vergleich ist ein bisschen pathetisch, aber vielleicht gefällt Ihnen der Film, er ist auch mit Computern gemacht, wie Ihr Image-Film! Das wär doch ohnehin eine Idee! Den nächsten Imagefilm in 3D!)
Das Friedrichshain, das seine momentanen Bewohner kennen und lieben, wird mit dem Vollzug Ihrer Pläne, und denen Ihrer Konkurrenten und Partner, Geschichte sein. Die wenigen unter Ihren Neumietern, die wegen dieses Friedrichshains hierher gezogen sind, “das ja noch so viel aufregender ist”, als Prenzlauer Berg, werden dann irgendwann mit uns zusammen woanders hinziehen, auf dass Sie alle hier in Ihrem buntgrau ihre grauen Leben führen können.
Liebe Grüße und hoffentlich wenig Erfolg wünscht Ihnen
Linus Neumann
PS: Die Regel zur Unterscheidung von “das” und “dass” ist ganz einfach: Immer, wenn Sie das “das/s” durch “dieses”, “jenes”, oder “welches” ersetzen können, wird “das” geschrieben. Wenn Sie das nicht können, dann wird “dass” geschrieben.









